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Ein bedeutender fossiler Haizahn in der Sammlung des Städtischen Kramer-Museums

dateien/aktuelles/events/2017/Hartkopf 16101810_Abb. 2.jpgAnlass für die Recherche war der Fund eines fossilen Haizahns am Rheinufer bei Krefeld-Gellep. Der spektakuläre Haizahn (Abb. oben), immerhin mit Wurzel etwa 7 cm groß, war von einem Ehepaar auf der Suche nach schönen Rheinkieseln zufällig entdeckt und den Autoren zur näheren Expertise leihweise überlassen worden. Detaillierte Untersuchungen durch den Erstautor ergaben dann, dass es sich bei dem Haizahn um den zweiten Fund der Art Carcharocles subauriculatus (Agassiz, 1839) aus dem Oberoligozän des Niederrheins handelt. Der erste Fund war 1958 von Karlheinz Rothausen in einer wissenschaftlichen Publikation beschrieben und abgebildet worden (Abb. unten).

Beschreibung und auch die Photographie des ersten Fundes von Carcharocles subauriculatus sind bei Rothausen sehr informativ. Besonders wichtig ist in dieser Veröffentlichung auch der Hinweis auf den Fundort und den Verbleib dieses Haizahns. Gefunden wurde der Zahn in der Freudenberg’schen Formsandgrube im Karlsberg bei Süchteln. Diese inzwischen verfüllte Sandgrube war viele Jahrzehnte lang eine wichtige Fundstelle für Fossilien aus Meeressanden oberoligozänen Alters. Während dieses Zeitraums vor etwa 23–28 Millionen Jahren war der Niederrhein von einem flachen, artenreichen Meer bedeckt. In der Sandgrube wurden über viele Jahrzehnte von Privatsammlern Fossilien geborgen, darunter Muscheln, Seepocken, Seeigel, Fisch-, Schildkröten und Walreste. Leider sind viele dieser Funde nicht in Museen oder wissenschaftliche Sammlungen gekommen. Jedenfalls findet man in den naturkundlichen Museen der Umgebung oder in den großen Forschungssammlungen kaum Material aus der Freudenberg’schen Formsandgrube. Daher war der Hinweis in der Publikation von Rothausen über den Verbleib des Haizahns auch besonders wichtig. Als Aufbewahrungsort genannt wurde das „Heimatmuseum Kempen“. Da den Autoren das Nachfolgemuseum durchaus für die Sammlung niederrheinischer Möbel, aber nicht für Fossilien aus unserer Region bekannt war, hatten wir wenig Hoffnung, diesen sehr seltenen, ersten Fund von Carcharocles subauriculatus vom Niederrhein dort wiederzufinden. Leider sind auch Museen nicht davor gefeit, dass Sammlungsmaterial verloren geht. Umzüge, Wasserschäden oder einfach nur unzureichende Aufbewahrung und Dokumentation haben schon manchen Museumsbestand arg reduziert und viele Wissenschaftler auf der Suche nach alten, in der Literatur beschriebenen Funden frustriert. Nicht so aber in unserem Fall! Ein Anruf beim Städtischen Kramer-Museum brachte innerhalb eines Tages die Gewissheit, dass sich im Magazin tatsächlich noch Fossilmaterial aus der Freudenberg’schen Formsandgrube befindet und darunter auch der von Rotdateien/aktuelles/events/2017/Hartkopf 16112307_Abb. 4.jpghausen beschriebene erste Fund von Carcharocles subauriculatus vom Niederrhein. Viele der im Museum aufbewahrten Fossilien der Süchtelner Fundstelle sind vermutlich von Gottfried Klinkenberg (1878–1957), Stadtarchivar und bekannter Heimatforscher, gesammelt worden.

Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig die sorgfältige Aufbewahrung wissenschaftlich bearbeiteter Fossilien ist. Weiterführende Forschungen zukünftiger Generationen mit uns noch völlig unbekannten Methoden machen diese historischen Bestände zu einem einmaligen Archiv unserer Erdgeschichte. Unsere Aufgabe ist es, diese Archive wohl dokumentiert und professionell zu bewahren. Wir werden daher die kleine aber regional bedeutende Fossiliensammlung mit Unterstützung durch die Bodendenkmalpflege im Rheinland im Laufe dieses Jahres ordnen und teilweise auch wissenschaftlich bearbeiten. Schon heute wissen wir, dass sich einige wissenschaftliche Überraschungen in der Sammlung befinden. Von der Fossiliensammlung im Städtischen Kramer-Museum wird also noch zu hören sein.

(Dipl.-Geol. Fritz von der Hocht und Dipl.-Geol. Christoph Hartkopf-Fröder)

 

Abb. oben: Carcharocles subauriculatus (Agassiz, 1839) vom Rheinufer bei Krefeld-Gellep, umgelagert aus oberoligozänen Meeressanden.

Abb. unten: Carcharocles subauriculatus (Agassiz, 1839) aus der Freudenberg’schen Formsandgrube im Karlsberg bei Süchteln. Original zu Rothausen (1958, Taf. 1, Fig. 2). Aufbewahrungsort Städtisches Kramer-Museum.

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