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Sonntag, 24.11.2013, 11:15 - 12:45 Uhr

Die Dame mit dem Einhorn - Dichtung und Wahrheit

Ungewöhnlich und geheimnisvoll ist bis heute eines der Schmuckstücke im Musée de Cluny, dem Museum für mittelalterliche Kunst in Paris: Eine sechsteilige, über 500 Jahre alte Teppichserie. Ihren Namen „La Dame à la Licorne“ (die Dame mit dem Einhorn) verdankt sie der Darstellung sowohl einer wunderschönen Dame, als auch eines Einhorns auf jedem dieser Teppiche, die in besonderer Beziehung zueinander gesetzt sind. Welche Rolle aber spielt der Löwe, der nicht weniger präsent ist als das Einhorn? Bis heute ist nicht geklärt, wer diese Teppichserie, die im 19. Jahrhundert zunächst unbeachtet aus einem ziemlich verfallenen Schloss in Mittelfrankreich geborgen wurde, in Auftrag gegeben hat. Die Interpretation der Darstellungen lässt auf eine Liebesbeziehung schließen. Ein prägnantes Wappen, das auf allen Teppichen, zum Teil drei- und vier-, ja fünffach erscheint, und das als das einer vornehmen Lyoner Familie gedeutet ist, gibt trotzdem keinen Aufschluss über den tatsächlichen Auftraggeber. Auch ist nicht klar, für wen, für welche Geliebte er die Teppiche hat anfertigen lassen. Außergewöhnliche und gewagte Anspielungen sind verwirrend und scheinen die übliche Verwendung als Liebesgabe etwa bei einer Hochzeit auszuschließen. Die sehr hohe Qualität der Teppiche, sowohl was den Entwurf, als auch was die Ausführung angeht, hat ebenfalls zu Spekulationen Anlass gegeben. Diese weisen heute, was den Ort der Herstellung angeht, ziemlich sicher nach Brüssel als dem in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bedeutendsten Teppichzentrum Europas. Der Künstler aber, der diese Meisterwerke entworfen hat, ein Maler von höchstem Rang, wird in der Literatur gern als Franzose gedeutet. Hier jedoch soll ein ganz anderer Vorschlag gemacht werden. Der Vortrag möchte Wissenswertes und Vermutungen über die schönen Teppiche vorstellen.

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