Sie sind hier:

Veranstaltungen > Der niederrheinische Antisemitismus um 1900 - Ein Vortrag zur "vergessenen" Heimatgeschichte der Kaiserzeit

Sonntag, 03.11.2013, 11:15 - 12:45 Uhr

Der niederrheinische Antisemitismus um 1900 - Ein Vortrag zur "vergessenen" Heimatgeschichte der Kaiserzeit

1892/93 wurde vor dem Landgericht Kleve ein Mordfall gegen einen jüdischen Metzger aus Xanten verhandelt. In der antisemitischen Presse und in Teilen der Öffentlichkeit wurde sehr schnell ein „Ritualmord“ an einem christlichen Jungen kolportiert. Zwar wurde der Angeklagte, Adolf Buschhoff, freigesprochen – doch löste der Skandalprozess nicht nur am Niederrhein antisemitische Wellen aus, die selbst das Preußische Abgeordnetenhaus in Berlin beschäftigten.

Die „Buschhoff-Affäre“ machte deutlich, daß in den katholischen Rheinlanden der alte judenfeindliche Aberglaube aus mittelalterlicher Zeit fort existierte. Das galt vor allem für die Niederrheinregion, in der sich bis in das 20. Jahrhundert die so genannte Ritualmordlegende halten konnte. So mußten sich die Behörden in dem Jahrzehnt nach dem Buschhoff-Prozess fast alljährlich mit Gerüchten über angebliche jüdische „Blutabzapfungen“ beschäftigen, geschehen in Kempen, Issum, Kleve oder Neuss. Zu regelrechten antisemitischen Krawallen kam es im südlichen Teil des Niederrheins – insbesondere im Raum Neuss-Grevenbroich.

Der Vortrag konzentriert sich u.a. auf folgende Themenschwerpunkte:
> Jüdisches Leben“ am Niederrhein um 1900: Wechselspiel zwischen Anerkennung und Ausgrenzung
> Antisemitismus im Rheinland unter besonderer Berücksichtigung der Ritualmordlegende – Historische Skizze
> Niederrheinische Ursachenanalyse“: Volksabergläubische, soziale und wirtschaftliche Aspekte
> Die „Buschhoff-Affäre“ als Fallbeispiel für den „volkstümlichen“ Charakter des Antisemitismus vor dem „offiziellen“ Rassenwahn der NS-Diktatur

[zurück]