Sie sind hier:

Veranstaltungen > Der gestohlene Engel - Die Beziehung Ernst Barlach und Käthe Kollwitz

Sonntag, 21.11.2010, 11:15 - 12:45 Uhr

Der gestohlene Engel - Die Beziehung Ernst Barlach und Käthe Kollwitz

Barlachs Werke waren nie für eine größere Öffentlichkeit gedacht. Bis heute stehen Besucher lauschend vor seinen Werken, die auf geheimnisvolle Weise zu sprechen beginnen und jeden einzelnen in den Bann ziehen. Neben dem Fries der Lauschenden, der ehemals für die Fassade der Katharinenkirche in Lübeck gedacht war, gehört der Güstrower Engel zu seinen bekanntesten Werken. Die schwebende Figur war das erste der Aufsehen erregenden fünf Ehrenmale, die der Künstler zwischen 1927 und 1931 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges schuf.  „In den Engel ist mir das Gesicht von Käthe Kollwitz hineingekommen, ohne dass ich es mir vorgenommen habe", bekannte er später seinem Freund und Verleger Reinhard Piper. Im August 1937 ließen die Nationalsozialisten den Güstrower Engel als entartete Kunst abhängen und ins Landesarchiv nach Schwerin bringen. Barlach erfuhr es aus der Presse. Vereinsamt zog er sich in sein Atelier zurück, wo wenige Tage später ein kniender Greis entstand, ringend, die Hände betend, verzweifelt und doch gläubig, unendlich leidvoll und trostspendend zugleich. Es war seine Art auf die kunstpolitischen Maßnahmen zu antworten, die einem Berufsverbot  und dem nackten Überleben gleichkamen. Was ihm blieb war die jahrelange Freundschaft und Korrespondenz zu Käthe Kollwitz. Kein anderer Künstler hat ihr so viel bedeutet wie er. Die gegenseitige Anziehung dieser beiden Künstler, die Berührung in ihren Werken, fesselte schon zu Lebzeiten die Betrachter. Beide kamen von der menschlichen Figur nicht los, verlangten nach „dem außen wie innen" und gingen unweigerlich durch die Gestaltung des Menschlichen hindurch. Barlach erlebte nicht mehr, wie sein Lebenswerk eingeschmolzen wurde. Bei der Trauerfeier im Oktober 1938 schwebte über dem offenen Sarg des Künstlers die Maske des Güstrower Domengels, neben ihm stand Käthe Kollwitz, die wenige Wochen später notierte: „Es ist mir manchmal, als ob der tote Barlach mir seinen Segen hinterlassen hat." Zu dieser Zeit arbeitete sie an dem Relief „Die Klage", die den Anfang an das Gedenken Barlachs bildete.

 

[zurück]