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Sonntag, 19.11.2017, 11:15 - 12:45 Uhr

Archivwesen in Kempen

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Urkunde des Kölner Erzbischofs Friedrich von Saarwerden vom 17. Juli 1372, © Stadtarchiv Kempen

 

Das „Archivwesen ist nicht das Wesen im Archiv“ heißt sein einigen Jahren der augenzwinkernd gemeinte Einführungsvortrag im Seminar „Basiswissen Archivarbeit“ des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums. – Warum? Der Begriff „Archiv“ ist nicht geschützt und kein eingetragenes Warenzeichen und worin sein Wesen besteht, ist deshalb keineswegs selbsterschließend oder selbstverständlich.

„Archiv“ wird in verschiedenen Kontexten sehr verschieden verwendet: Mal ist es der Abstellraum im Keller oder auf dem Speicher, mal eine digitale Ablage von alten Meldungen auf einer Internetseite, mal ein Fachdienst der Verwaltung mit Räumen, Budget, Personal und dem Archivieren als zentraler und gesetzlich definierter Aufgabe. Archivieren meint nämlich im Geltungsbereich des Gesetzes über die Sicherung und Nutzung öffentlichen Archivguts im Lande Nordrhein-Westfalen nicht nur das Aufbewahren von wichtigen Unterlagen. Es meint die Aufgaben „Unterlagen zu erfassen, zu bewerten, zu übernehmen und das übernommene Archivgut sachgemäß zu verwahren, zu ergänzen, zu sichern, zu erhalten, instand zu setzen, zu erschließen, zu erforschen, für die Nutzung bereitzustellen sowie zu veröffentlichen.

Archivieren – und mit ihm das Archivwesen – fängt also weit vor dem an, was damit umgangssprachlich verbunden ist, und es ist eine Aufgabe, die genauso kontinuierlich erledigt werden muss, wie alle Arbeiten einer Verwaltung. Es ist zu allererst und ursprünglich die Durchführung eines elementaren Querschnittsdienstes in einer Verwaltung und dient ihrer Rechtssicherung.

Je – im besten Sinne! – bürokratischer eine Verwaltung funktionierte und funktioniert und je früher sich ihre Schriftlichkeit ausgeprägt hat, desto eher ist auch ein Archiv vorhanden. Das beste Beispiel sind hier die päpstlichen und kaiserlichen Archive, aber auch städtische Archive wie das der kurkölnischen Stadt Kempen. Die Stadt bewahrte ihr Archivgut im Kuhturm auf und diente damit dem damaligen Kreis Kempen-Krefeld als Vorbild für die kleineren Nachbargemeinden, als man 1947 begann, ein zentrales Kreisarchiv für den Kreis und mehrere kreisangehörige Gemeinden aufzubauen und es 1956 mit einem ersten hauptamtlichen Archivar zu besetzen. Mit dem Stadtarchiv und dem Kreisarchiv bestanden nun für einige Jahre zwei voneinander unabhängige kommunale Archive in Kempen.

Das Kreisarchiv Kempen-Krefeld wurde in den Folgejahren zum Vorbild für die Einrichtung von anderen Kreisarchiven in Nordrhein-Westfalen. Durch die kommunale Neugliederung 1970/75 wurde es zum Archiv des neu gebildeten Kreises Viersen. Zehn Jahre später zog das Kreisarchiv nach dem Umzug der Kreisverwaltung 1985 aus der ehemaligen Thomas-Druckerei als Nachnutzer in die adaptierte kurkölnische Landesburg ein und nahm das Stadtarchiv dort als eigene Abteilung auf.

2020 wird das Kreisarchiv nach Viersen-Dülken umziehen. Die Erledigung archivischer Aufgaben in und für Kempen endet damit nicht, sondern wird von einem neuen, den fachlichen Anforderungen entsprechenden und den wachsenden Beständen angemessenen Dienstsitz aus fortgeführt.

Der Vortrag zeichnet die Entwicklung des Archivwesens in Kempen nach und beleuchtet seine Entwicklungsperspektive. (Michael Habersack)

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