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Mahnende Worte einer Zeitzeugin

dateien/aktuelles/events/2017/9.11.2017 Gedenken mit Frau de Vries.jpg

Edith Devries sprach am Mahnmal auf der Umstraße. Foto: J. Caniceus

 

Edith Devries ist 82 Jahre alt, sie hat den Holocaust überlebt und die Deportation nach Theresienstadt  - und sie sprach am Donnerstag bei der Gedenkfeier zur Pogromnacht auf Einladung unseres Vereins am Mahnmal auf der Umstraße.

An den 9. November 1938 kann sich Edith Devries nicht erinnern, da war sie noch zu klein, das kennt sie nur aus den Berichten ihrer Eltern. Aber an die Deportation 1942 erinnert sie sich sehr gut und auch, dass sie im Zug ihre drei geliebten Puppen verlor. Das war für das kleine Mädchen zunächst das Schlimmste. Doch in Theresienstadt hatte sie auch keine Spielkameraden. „Damit endetet meine Kindheit“. Ihre Eltern versuchten das Mädchen zu verstecken, damit sie nicht wie die anderen Kinder ins Kinderheim gesteckt würde und von dort aus in die Gaskammern. Doch trotz aller Heimlichkeit versuchte das Kind im Lager Essbares zu organisieren, um den Eltern zu helfen. Der Vater, schwer verletzt und beinamputiert, ein echter aufrechter Deutscher, wie die Tochter ihn bezeichnete, verstand die Welt nicht mehr, dass er jetzt verfolgt wurde, wo er doch für sein Land alles gegeben und dafür sogar geehrt worden war.

Edith Devries berichtete auch von dem Transport von Weeze zum Schlachthof in Düsseldorf-Dehrendorf. Dort wurden auch die Kempener Juden hingebracht. Und das Wort Schlachthof ließ die vielen Kempener Zuschauern erschauern, angesichts des Schrecklichen, was dort für die Juden begann.

Die alte Frau mahnte eindrücklich, Achtung vor den Mitmenschen zu haben, hinzuschauen, hinzuhören und zu helfen, dies seien auch und gerade in der heutigen Zeit sehr wichtige Aufgaben. Sie werde so oft gefragt, warum sie in ihrem Alter immer noch auf Veranstaltungen wie der in Kempen spreche. „Ich spreche von den Toten und für die Toten, die nicht mehr reden können.“ Ihr Lebensmotto sei der Titel des Buches, das sie geschrieben habe: „Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da“ und auch ein „Nein zum Vergessen“. Immer wieder wies sie die Zuhörer darauf hin, dass sie aufpassen müssten, wo Unrecht geschehe, und dass sie allen Mitmenschen mit Achtung begegnen sollten. In jedem kleinen Kind, das sie im Fernsehen an der Hand seiner Mutter sähe, oft auf der Flucht, werde sie an das Leid dieser Kleinen erinnert. Das dürften wir nicht zulassen.

Nachdenkliche, berührte Gesichter folgten den so eindrücklichen, einfachen Worten von Edith Devries. Auch der Applaus klang verhalten, gerade weil die Worte so aussagekräftig nachklangen, wäre alles Laute unpassend gewesen. Gut, dass auch das leise Saxophon von Herbert Holtemeyer den Gedanken Raum gab. (gedo)

 

 Den offenen Brief von Pfarrer Roland Köhne an Frau Devries können Sie hier nachlesen.

Soest überwältigte durch seinen Kunstreichtum

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Warum denn in die Ferne schweifen ….. Das dachten sich auch die 26 Teilnehmer einer Fahrt des Vereins, als sie am Samstag, dem 16. September, unter der Leitung von Vorstandsmitglied Dr. Ina Germes-Dohmen bei strahlendem Sonnenschein ins westfälische Soest aufbrachen. Dass aber so viel Gutes und Großartiges in Soest liegt, damit hatten dann die meisten doch nicht gerechnet. Denn fast alle mussten eingestehen, dass sie, wenn sie auf der A 44 unterwegs waren, Soest hatten links oder rechts liegen lassen, nicht ahnend, welch reichen Schatz die Stadt birgt.

Denn Soest war im Mittelalter eine der führenden Handels- und Hansestädte Deutschlands. Die zu Kurköln gehörende Stadt war mit ihren ca. 15000 Einwohnern zu dieser Zeit eine Großstadt, die ihren Wohlstand vor allem aus dem Salzhandel bezog. Gästeführerin Barbara Köster verstand es, den Kempenern die Geschichte ihrer Stadt detailreich zu vermitteln, sie erläuterte historische Hintergründe zur Blütephase und warum mit dem Gewinn der Soester Fehde dennoch der Niedergang für die Soester eingeläutete wurde und die Stadt mehr und mehr bedeutungslos wurde.

Der seit dem 19. Jahrhundert bestehende Eisenbahnknotenpunkt war im Zweiten Weltkrieg der Grund für Bombenangriffe, die große Teile der Stadt zerstörten.

 

Das erste Baudenkmal, das die Gruppe anschaute: Die romanische Hallenkirche Maria zur Höhe, im Volksmund Hohne Kirche genannt, wie fast alles in Soest in grünem Sandstein erbaut, schön, aber (zu) weich. Um und um ausgemalt (wenn auch mit neugotischen Ergänzungen), großartigem Altarbild und dem berühmten Soester Scheibenkreuz ein Ort, wo man gar nicht genug schauen konnte. Durch malerische Gassen mit schönen Fachwerkhäusern, vorbei am „großen Teich“ und der dem Kölner Dom abgeschauten gotischen Kirche Maria zur Wiese, auch sie natürlich aus Grünsandstein, ging es zum Petrikirchhof mit Rathaus und (Blinden-)Stadtmodell, übrigens vom gleichen Künstler, der das Kempener Modell schuf: Egbert Broerken, der aus der Nähe von Soest stammt.

 

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Die Mittagspause verging zu schnell, nicht nur dass Soest über ein mehr als üppiges gastronomisches Angebot verfügt, sondern ja auch noch über weitere Attraktionen von der Stadtbefestigung  über das „Romanische Haus“ bis zum „schiefen Turm“ der Kirche Alt-St. Thomä, die zumindest einige Gruppenteilnehmern dem kulinarischen Genuss vorzogen.

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dateien/aktuelles/events/2017/Soest Nikolaikapelle Fetail Wandmalerei (1 von 1).JPG

Und nachmittags bot Kirchenführerin Köster dann Romanik en bloc: die (heute einzige) katholische Kirche Soests, der St. Patrokli-Dom mit seinem wuchtigen Turm, das Kleinod der Nikolaikapelle mit ihren Freskenmalereien und einem Tafelbild des berühmten Malers Conrads von Soests von ungefähr 1400). Den Abschluss machte St. Petri, das zu den ältesten Pfarren Westfalens gehört und in direkter Nachbarschaft zum Dom liegt. Auch hier waren wieder von einer romanischen Turmhalle mit tiefen Wetzrillen bis zum gotischen Chor und den eingezogenen Emporen im Langschiff viele Besonderheiten zu sehen. Großer Dank  von allen an Frau Köster.

Nach einem letzten Kaffee auf dem Soester Markt ging‘s zurück an den heimischen Niederrhein und nahezu jeder meinte: „Hier bin ich heute nicht das letzte Mal gewesen!“

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Foto 1: St. Petri-Kirche (links) und St. Patrolki-Dom (rechts) © Eva-Maria Willemsen
Foto 2: Im Innenraum der Kirche St. Maria zur Höhe, rechts im Hintergrund das Scheibenkreuz © Eva-Maria Willemsen
Foto 3 Detail der Wandmalerei in der Nikolaikapelle © Eva-Maria Willemsen
Foto 4 Detail der Soester Rathausfassade © Eva-Maria Willemsen
Foto 5 Die Gruppe vor dem Blindenstadtmodell © Ina Germes-Dohmen

Kultur- und Kunstgenuss in Celle, Lüneburg und der Heide

37 Teildateien/aktuelles/events/2017/20170814_170839.jpgnehmer starteten im August zu einer fünftägigen Fahrt des Geschichts- und Museumsvereins nach Niedersachsen. Ihre Erwartungen wurden mehr als übertroffen, denn nicht nur das Wetter war besser als vorhergesagt, auch das Programm hätte abwechslungsreicher nicht sein können.

 

Wenn es die Yellow Press schon damals geben hätte, dann wäre Georg Wilhelm, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg (1624–1705), ganz sicher dort ein Dauerthema gewesen. Denn 1658 überließ er in einem „Brauttausch“ seine Verlobte Sophie von der Pfalz seinem jüngeren Bruder, versprach als Gegenangebot, ehelos zu leben, was ihm aber nach ein paar Jahren doch nicht gefiel und er stattdessen eine hübsche, französische Landadlige heiratete. Dies war nur eine der vielen Kuriositäten aus dem Welfengeschlecht, die die Kempener bei ihren insgesamt sieben abwechslungsreichen Führungen erfuhren.

In der schönen Celler Innenstadt stehen 500 Fachwerkhäuser, viele der reichen Bürgerhäuser sind mit Inschriften verziert. Die Stadtführer informierten über Fachwerkbau und Steinbauten, erläuterten die Entwicklung der Stadt und zeigten die Herkunft und Bedeutung zahlreicher Sprichwörter auf. Denn wer richtig wohlhabend war, hatte ein Steinhaus, er war eben „steinreich“.

 

dateien/aktuelles/events/2017/20170814_160236.jpgIm prächtigen Celler Schloss schwirrte den Besuchern der Kopf, so interessant wie auch verwirrend stellte sich die Geschichte der Lüneburger Linie der Welfen und ihrer Frauen dar, die mit dem Königshaus in Dänemark oder in England  verwandt waren. So wurde Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg 1714 sogar König von Großbritannien. Auch religionsgeschichtlich waren die Herzöge von großer Bedeutung, führte doch Ernst der Bekenner (1497–1546) schon sehr früh die Reformation in seinem Herzogtum ein. Viele Namen begegneten den Kempenern in den fünf Tagen in Niedersachsen immer wieder, sei es im ehemaligen Zisterzienserinnen-Kloster in Wienhausen, seit der Reformation ein evangelisches Frauenkloster mit seiner außergewöhnlichen Teppichsammlung oder in der alten Hansestadt Lüneburg, die durch ihren Salzstock und den Salzhandel zu großem Reichtum kam. Den kann man heute dateien/aktuelles/events/2017/20170815_180227.jpgnoch den prächtigen Bauten ansehen. Aber auch, dass die Salzgewinnung ihren Tribut gefordert hat, denn manche Stadtviertel sind so abgesackt, dass die Häuser abgerissen werden mussten. Auch Naturfreunde kamen auf ihre Kosten, auch ein Spaziergang durch die blühende Heide fehlte nicht.

Verantwortlich für das Programm und die aufwändige Organisation der Mehrtagesfahrt war Fritz Dettmer, Vorstandsmitglied des Vereins. Ihm gelang eine vortreffliche Mischung aus interessanten Führungen (mit durchweg kundigen Führern) und den notwendigen Pausen zur eigenen Gestaltung, es war eine gelungene Mixtur aus Kunst und Kultur (inklusive Theaterbesuch im barocken Celler Schlosstheater) und Gelegenheit zum Gespräch und Austausch. Sogar für die Rückfahrt hatte Dettmer noch ein Bonbon bereit, denn die Stechinelli-Kapelle in Wieckenberg/Wietze, von außen einem Bauernhaus ähnlich, entpuppte sich im Innern als Kleinod im italienischen Barockstil. Und der hier einsetzende strömende Regen konnte der guten Stimmung in der Reisegruppe dann nichts mehr anhaben. (Gedo)

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Abfahrt der Busse bei den Exkursionen

In der Stadt Kempen finden umfangreiche Bauarbeiten statt. Hierdurch kommt es zu erheblichen Behinderungen des Straßenverkehrs. Aus diesem Grunde wurde die Abfahrtstelle unserer Busfahrten verlegt. Ab sofort beginnen und enden unsere Fahrten auf dem Bahnhofsvorplatz!

Mitgliedsbeitrag

Auf der Jahreshauptversammlung am 26. November 2011 wurde durch die anwesenden Mitglieder eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrages beschlossen. Der Jahresbeitrag für die Einzelperson beträgt derzeit 18,- € und die Familienmitgliedschaft 27,- €!

Vorstand und Kontaktadressen

Informationen über den Vorstand und entsprechende Kontaktadressen finden Sie unter Vorstand.